BrustkrebswissenLeben – Es geht weiter!

Nachsorge

Nach Abschluss der Erstbehandlung folgt die Zeit der Nachsorge. Die Nachbeobachtung beinhaltet regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um einen möglichen Krankheitsrückfall rechtzeitig zu bemerken und behandeln zu können.

Diese Zeit nach der Therapie ist für viele Patientinnen keine einfache Zeit. Einerseits ist da die große Erleichterung, daß man den Krebs erfolgreich behandeln konnte, andererseits aber oft auch eine große Erschöpfung, Angst und Sorgen. Für viele Patientinnen und auch deren Angehörige ist diese Phase unerwartet belastend, denn eigentlich sollte doch nun alles wieder gut sein. Aber allzuoft fühlt es sich noch nicht so an und das Hineinfinden in den Alltag mag noch nicht so recht gelingen.

Hinzu kommen häufig auch finanzielle Nachteile, beispielsweise wenn die persönliche Leistungsfähigkeit aufgrund der Brustkrebserkrankung vorübergehend oder auch längerfristig beeinträchtigt ist.

Deshalb ist weiterhin eine umfassende Betreuung, die nicht nur die körperliche Nachsorge, sondern auch die psychische Gesundheit und finanzielle Aspekte berücksichtigt, so wichtig.

Die Zeit der Nachsorge dauert fast ein Leben lang

Brustkrebs gehört zu den chronischen Erkrankungen, die auch nach zehn Jahren oder sogar noch später wieder an derselben oder an einer anderen Stelle auftreten können. 60 Prozent der Rückfälle von Frauen mit einem hormonsensiblen Brustkrebs ereignen sich erst nach fünf Jahren.

Deshalb ist die vom Versorgungsamt festgesetzte "Heilungsbewährung" nach fünf Jahren graue Amtsstubentheorie.

Aktuell sehen die Nachsorgeleitlinien (Details siehe unten) neben dem Arztgespräch und der monatlichen Selbstuntersuchung im Wesentlichen nur die Mammographie und den Brustultraschall, in bestimmten Fällen auch ein MRT vor. Zudem werden für Patientinnen, die eine kardiotoxische, also möglicherweise herzschädigende Therapie (z.B. Antrazycline oder Herceptin) erhalten haben, EKG-Untersuchungen enpfohlen.

Routinemäßige bildgebende Untersuchungen zur frühzeitigen Diagnose von Fernmetastasen, wie z.B. der Ultraschall des Oberbauchs, Skelettszintigraphie, Röntgen-Thorax sind für sympthomfreie Frauen in den aktuellen Nachsorge-Leitlinien nicht vorgesehen. Auch gezielte Blutuntersuchungen, beispielsweise zum Nachweis von Tumormarkern im Blut werden nicht empfohlen.

Nur bei Patientinnen mit Sympthomen, die auf ein Rezidiv / eine Metastasierung hinweisen können, sind aktuell weitergehende Diagnosemaßnahmen vorgesehen.

Begründet wird dies mit zwei italienischen Studien, die in den 1990er Jahren durchgeführt wurden und zeigten, dass zum damaligen Zeitpunkt die oben genannte Diagnoseverfahren zwar zu einer früheren Diagnose von Fernmetastasen, nicht aber zu einem längeren Überleben der Patientinnen führten.  

Und dies in Zeiten des medizinisch-technischen Fortschritts? Die Möglichkeiten in der chirurgischen und strahlentherapeutischen Behandlung haben sich erheblich verbessert und insbesondere die neuen zielgerichteten Therapien bieten ganz neue und sehr vielversprechende Therapieoptionen. All das müßte bei einer zeitgemäßen Nachsorge-Leitlinie berücksichtigt werden.

Deshalb haben Ursula Goldmann-Posch und Dr. Petra Stieber im Februar 2008 die Patienten Orientierte Nachsorge- Stiftung (PONS-S) gegründet, mit dem Ziel, eine neue Nachsorgestudie (PONS-Studie) zu designen und zu initiieren.

Survive – endlich startet eine neue Nachsorgestudie!

Die Nationale Dekade der Krebsforschung macht’s möglich. SURVIVE startet. Leitzentrum ist das Uniklinikum Ulm. Die SURVIVE (Standard Surveillance versus Intensive Surveillance in Early Breast Cancer)–Studie, untersucht, ob Patientinnen von einer Intensivierten Nachsorge profitieren. Im Studienarm für die Intensivierte Nachsorge wird bei den Patientinnen zusätzlich zur Standardnachsorge das Blut auf Tumormarker, Tumorzellen und Tumor-DNA untersucht. Bei auffälligen Befunden folgt darauf eine bildgebende Diagnostik.

Die Rekrutierung zur Studie läuft bereits! Details zu Studienteilnahme finden Sie hier.

Aktuelle Nachsorgerichtlinien / Empfehlungen

In der aktuellen

S3-Leitlinie "Interdisziplinäre Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms" der Deutschen Senologie Gesellschaft
und den
Empfehlungen zur  "Brustkrebs Nachsorge" der AGO (Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie) Kommission Mamma

können Sie detailliert nachlesen, welche Nachsorgeuntersuchungen in welcher Situation empfohlen werden.

Für asymptomatische Patientinnen gilt: In den ersten drei Jahren stehen vierteljährlich Nachsorgeuntersuchungen an (bei in Situ-Carcinomen halbjährlich). In den Jahren 4 und 5 vergrößern sich die Abstände zwischen den Untersuchungen dann auf halbjährlich und ab dem Jahr 6 auf jährlich. 

Zusätzlich ist ein Arztbesuch immer angezeigt, wenn Sie Beschwerden haben, die im Zusammenhang mit der Krebserkrankung oder Krebstherapie stehen könnten!

Weitere Informationen

Vorträge von unseren Diplompatientinnen-Kongressen (nur für Mitglieder freigeschaltet)

2023 "Physiotherapeutische Nachsorge mit passiver und aktiver Therapie" von Eva Maria Reichart
2023 "Update Survive-Studie" von Prof. Dr. Wolfgang Janni
2022 "Update Nachsorge Mammakarzinom–bewegt sich endlich etwas?" von Prof. Dr. Wolfgang Janni
2021 "Aktuelles zur Survive-Studie" von Prof. Dr. Wolfgang Janni
2020 "Aktueller Stand: Die KRONOS Nachsorge-Studie" von Prof. Dr. Claudio Zamagni
2020 "Neue Fürsorge für die Nachsorge: Die Survive-Studie" von Prof. Dr. Wolfgang Janni
2018 "Nach der Erstbehandlung - Vorsorge Second Line" von PD Dr. med. Georg Kunz

Links

02 2023 „Neue Wege in der Brustkrebs-​Nachsorge“ auf der Seite des Uniklinikums Ulm